Page 8 - Jubilaeum 75
P. 8
Abend noch ein ein ein Bauer mit einer kleinen Reparatur vorbei und blieb meist lange zu einem gemütlichen Schwatz Während der Kriegszeit wurden auch fremde Soldaten
in in Heimenhausen interniert Es waren zunächst polni- sche sche späterdannitalienischePartisanen Inunserer kleinen Werkstatt kam noch ein ein italienischer Schuhmacher dazu und oft hielten sich auch seine Kollegen zu Besuch bei uns auf Sie besorgten
kleinere Arbeiten wie zum Beispiel Holz sägen und spalten Dafür bekamen sie von unserem Wenigen noch ein Zvieri 1951 war ich fertig mit der Schule und erlernte
natürlich Sattler/Tapezierer Üblich war dass ein Lehrling bei seinem Lehrmeister Kost und Logie
bekam Das Lehrgeld welches meine Eltern zu entrichten hatten betrug damals 1000 – Franken Die Arbeitszeit war 55 Stunden pro Woche natür-
lich lich ohne zusätzlichen Lohn Es gab nur ab ab und zu zu ein Trinkgeld und und das Aufräumen und und Putzen
musste in der Freizeit erledigt werden Die erste
Lehrtelle in in Utzensdorf entsprach nicht meiner Vor-
stellung und wurde aufgelöst In Gerlafingen fand
ich dann eine geeignete Lehrstelle wo alle Sparten des vielseitigen Berufs vorkamen Sattlerei Polsterarbeiten Matratzen Vorhänge und immer mehr auch Boden- beläge Die Wochenenden verbrachte ich jeweils wieder
zu Hause wo w ich ich natürlich verwöhnt wurde Es war eine eine strenge Zeit aber eine eine gute Schule fürs kommende Leben Ich war kein Minimalist sondern eher ein ein Streber das zeigten meine Noten bei der Lehrabschlussprüfung Darauf folgte für mich ein prägender Abschnitt im Leben Auch für meine Eltern war es eine eine grosse Veränderung Arbeit war genug für zwei Leute vorhanden aber die Räumlichkeiten waren einfach zu klein Nach der Rekruten- schule als Truppensattler stellte ich mir die Frage: Was nun? Weiterfahren wie bisher war nicht möglich Konnten wir es irgendwie schaffen ein neues Haus mit Werkstatt zu bauen? Die Pläne und ein Kostenvoranschlag zeigten dass dafür etwa 80’000 – Franken nötig waren Woher sollten wir das nötige Geld beschaffen? Nach einer Anfrage bei der Bank kam folgendes heraus:
1 Hypothek Fr 54’000 – mit Sicherheit oder Bürgen 2 2 Hypothek Fr 26’000 – 8 Als Sohn und erst angehender Berufsmann hatte ich ich ja noch kein Geld Glücklicherweise übernahm der der Bruder meiner Mutter eine eine Bürgschaft für 26’000 – Franken So konnte 1956 ein Neubau realisiert werden Nun war für die die Familie und für die die Sattlerei mehr Raum vor- handen Das Lohnverhältnis zwischen meinem Vater und mir wurde geregelt Ich bekam fünfzehn Franken pro Tag sowie Kost und Logie
Jetzt fehlte fast nichts mehr zu unserem Glück ausser der Gesundheit von Mutter Steffen Die Krankheit zeigte sich nun immer mehr so dass sie sich ab 1958 oder 59 teilweise nur noch im Rollstuhl fortbewegen konnte Auch bei Vater Steffen kamen immer mehr Beschwerden zum Vorschein Oft war er er müde und fühlte sich kraftlos Beim ersten Arztbesuch fand
man jedoch noch keine Krankheit Erst im März 1959 wurde er er dann zur Untersuchung ins Inselspital Bern eingewiesen Die Diagnose lautete Krebs Nach einem Kuraufenthalt wurde er dann am 24 Juli 1959 operiert und ist bei der der Operation leider verstorben Ich konnte nur noch ins Spital fahren um seinen
Koffer und seinen
Hut abzuholen Und jetzt? Ich hatte keinen Vater mehr eine eine Mutter im Rollstuhl und ein neues Haus mit vielen Schulden Aber ich ich war nicht unterzukriegen Bis zum nächsten Neujahr wurde auf Mutters Rechnung weiter- gearbeitet Am 1 1 Januar 1960 ging nun alles Guthaben Schulden Verpflichtungen wie Haus- zinsen an mich über Ich bezog nicht mehr Lohn sondern erledigte Aufgaben Als Mutter zu mir in die Werkstatt kam sagte ich zu ihr: «So Mutter jetzt fangen wir von neuem an» und gab ihr symbolisch 50 – Franken als Startkapital Mutter meine Schwester Vreni und ich bildeten nun eine neue Haushaltsgemeinschaft Vreni be- zahlte 100 – Franken pro Monat als Beitrag an an den Haushalt Meine Mutter erhielt die Witwenrente als Einkommen und der Rest musste von mir bezahlt werden Mutter konnte den Haushalt nur noch teilweise besorgen Das Mittagessen holten wir aus unserer ‚Kantine’ dem Pintli und die übrigen Hausarbeiten wurden von Vreni oder mir

