Page 2 - Raum und Wohnen Mai/Juni 2020
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WORTWECHSEL
FRITZ STEFFEN — INHABER STEFFEN RAUMKONZEPTE AG
«Für mich gab es nie eine andere Option»
Geschichten machen das Leben reicher und uns zu denjenigen, die wir sind, schreibt Fritz Steffen in einem seiner Hausmagazine. Zum 75. Geburtstag der Steffen Raumkonzepte AG erzählt er einige seiner eigenen Geschichten und lässt dabei auch die schwierigen Zeiten nicht ausser acht. (KH)
         Wie oft verändern Sie als gelernter Innen- dekorateur etwas an der Einrichtung Ihrer eigenen Wohnräume? Als Fachmann lege ich grossen Wert auf unsere private Umgebung im Haus wie im Garten. Meine Frau und ich wohnen in einem Einfamilienhaus mit grösse- rem Umschwung, welches 1927 erbaut wurde, und erhalten es aus eigenem Antrieb im Stil von damals. Bei baulichen Veränderungen folgen wir keinen Trends, sondern planen langfristig oder wenn sich eine Umnutzung aufdrängt. Kleinere Veränderungen nehmen wir hingegen jedes Jahr vor, stellen Möbel um, streichen oder gestalten den Garten um.
Welcher Raum ist für Sie persönlich der wichtigste und wa- rum? Wir durften vor zehn Jahren einen Anbau, der bis dahin ein Atelier beherbergte, zum Wohnraum umnutzen. Dabei ist ein Wohn-Loft mit direkter Anbindung an den Garten und die Um- gebung entstanden: mein Lieblingsraum. Hier kann ich sehr gut entspannen, habe Platz und Ruhe und viele kreative Momente.
Was ist Ihr liebstes Möbelstück? Unser Lounge-Sofa im Freisitz. Ich habe es entworfen und aus alten Tessiner Bodendielen selbst gebaut, in unserem Atelier die Polster konstruiert und angefertigt. Es bietet ausreichend Platz für die Familie, Nachbarn und Freunde: als Begegnungsort, aber auch als Schlafplatz für laue Sommernächte.
Die Steffen Raumkonzepte AG wurde 1942 von Ihrem Gross- vater gegründet. Was macht das Unternehmen aus? Unser Grossvater war ein leidenschaftlicher
Sattler, Tapezierer und Dekorateur. Er
übernahm während des Krieges einen bestehenden Betrieb, dessen Portfo- lio meine Eltern über die kommenden Jahre ausbauten. Heute sind wir ein ganzheitlicher Einrichtungsbetrieb mit hoher Handwerkskompetenz für Boden, Textilien und Einrichtung. Wir kennen den Markt und die Möglichkei- ten ebenso wie die angesagten Trends und Stile, vergangene und zukünftige.
Wie kam es, dass Sie und Ihr Bruder den Betrieb der Eltern übernommen haben? Wir wuchsen im Atelier auf, konnten ohne Druck immer etwas mitarbeiten und unser Taschengeld aufbessern. So vermittelten unsere Eltern uns die Vorzüge der Selbständigkeit und des Handwerks fast spielerisch. Für mich gab es nie eine andere Option: Ich sah mich schon früh als Innendekorateur die Berufskarriere starten. Damals hatte ich noch vor, im Anschluss an die Lehre als Raumausstatter ein Innenarchitekturstudium zu absolvieren. Letztendlich endschied ich mich gegen diesen Weg und krönte meine Ausbildung mit der Meisterprüfung. Heute führe ich zusammen mit meinem Bruder Andreas das Unternehmen.
Was hat sich seitdem verändert? Aus dem Einzelbetrieb der 1970er-Jahre ist ein Einrichtungs- und Fachgeschäft mit einem 1000 Quadratmeter grossen Showroom und Atelier geworden, in dem 20 Fachkräfte arbeiten. Meist bedienen wir Privatkunden, sind aber auch im Objektgeschäft als Boden-, Parkett- und Vor- hangspezialisten oder Polsterer anzutreffen und als verlässlicher Partner für Architekten und Innenarchitekten bekannt. Ab und zu sind wir sogar international tätig. Schweizweit zählen wir uns zu den bedeutendsten Ausbildungsbetrieben für Raumausstat- terInnen und WohntextilgestalterInnen.
Wegen geschlossener Ausstellung und eingeschränkter Kontakte herrscht im Moment eine schwierige Situation. Wie versuchen Sie, diese zu meistern? Glücklicherweise haben wir ein über- durchschnittlich grosses Auftragsvolumen. Momentan arbeiten wir mit kleinen Einschränkungen weiter. Vereinzelt können wir jedoch die bestellten oder hergestellten Produkte nicht liefern und somit auch nicht verrechnen. Der Showroom ist geschlossen, da sind wir stark eingeschränkt. Unsere individuellen Produkte lassen
sich zwar per Telefon besprechen, aber nicht bestellen, weil die Bemusterung nicht stattfinden kann. Wir sind auf den direkten Kontakt im Haus des Kunden oder in unserem Showroom angewiesen. In Krisenzeiten wie diesen ist es deshalb schwierig, neue Aufträge zu generieren. Wir sind aktiv — auch
Die Raumausstatter und Wohntextilgestalter von Steffen Raumkonzepte haben ihr Port- folio auch auf den Aussenraum erweitert.
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